Tag 3 – 04.09.2014 – Ridgecrest, CA – Beatty, NV

Wir haben uns vorgenommen, immer sehr früh aufzustehen, also stellten wir den Wecker auf 05:30 Uhr. Erst haben wir noch überlegt, ob wir ganz in der Früh noch mal zu den Trona Pinnacles fahren sollten, aber der Himmel war fast wolkenlos, so war die Aussicht, dort außergewöhnliche Bilder zu machen, nicht sehr groß.

Nachdem wir wach waren, konnten wir zum morgendlichen Ablauf übergehen.

Im Laufe der Jahre und etlichen Reisen haben wir eine morgendliche Routine entwickelt: Nach dem Duschen und Anziehen packen wir unsere Koffer wieder ein. M. kümmert sich um die Akkus, Speicherkarten und alles, was mit Technik zu tun hat. S. packt alles andere ein. Keiner pfuscht dem anderen rein, so stellen wir sicher, dass wir nichts im Hotel vergessen und alles wieder an der richtigen Stelle im Koffer untergebracht wird.
Dann bringen wir unsere großen Koffer ins Auto, holen uns unsere zusätzlichen Frühstücksutensilien wie Käse, Wurst und Brot aus dem Auto und gehen frühstücken. Danach gehen wir nochmal schnell ins Zimmer für einen Toilettengang, zum Zähneputzen und zum Packen des Badezimmerkoffers. Dann checken wir nochmal jede Ecke des Zimmers, ob wir nichts vergessen haben. S. bringt dann die Schlüssel weg und holt die Hotelrechnung, M. packt das restliche Zeug ins Auto und fährt den Wagen vor die Lobby. Für all das benötigen wir am Morgen ca. 1-1,5 Stunden.

Nach dem Packen also gehen wir für ein Frühstück in die Lobby des Hotels, das Frühstück ist ok, aber nichts Besonderes.

Weiter geht es dann außerhalb des Hotels mit der Fahrt zur Tankstelle, wenn wir das nicht schon am Abend vorher erledigt haben, um den Wagen vollzutanken, und um Eis für die Kühlbox zu besorgen.

Auf dieser Reise benötigten wir teilweise zweimal Eis am Tag, weil es extrem heiß war.

An diesem Morgen fahren wir nochmal kurz zum Walmart in Ridgecrest, um für M. frische Hotdogbuns zu kaufen.
Gegen 06:30 oder 07:00 Uhr sind wir dann meist auf dem ersten Highway. Heute ist es wieder Highway 178 in Richtung Trona, CA. Und es ist kurz vor 7 Uhr.

Trona ist eine sehr trostlose Stadt, ich habe mal gelesen, sie sei die mit den meisten Crystl-Meth-Abhängigen der USA. Wir sehen keinen Menschen außer ein paar Arbeitern in ihren Trucks, die hier im Bergbau arbeiten.

Der Ort wird langsam mit dem einen oder anderen Foto-Stopp durchquert, dann liegt er auch schon bald hinter uns.

Vor der Grenze zum Death Valley nehmen wir eine staubige Straße in Richtung Ballarat, eine der vielen Ghosttowns hier in der Ecke. 1897 lebten in dem Ort ca. 500 Leute, die sich in den Minen einen großen Goldrausch erhofften.
In den 1960ern lebten einige der Mitglieder der Manson Family in der Gegend um die verlassene Stadt. Unter anderem war der Ort auch ein Schauplatz des Films Easy Rider.

Es stehen ein paar Holzhäuser, Ruinen und Schrottautos in dem Ort, sonst gibt es nicht viel zu sehen.

Heute lebt noch eine Person in Ballarat, wir haben kurz mit dem Mann gesprochen, er wartet dort auf Touristen und den Regen und genießt seine Ruhe, er passt auf ein paar Schrottautos auf.
Er hätte gerne noch länger mit uns gesprochen, der war echt ausgehungert nach Kontakt, aber wir hatten nicht so viel Lust, dort zu bleiben. Nach dem dritten Mal „so have a nice day“, konnten wir uns endlich umdrehen und fahren. Sonst hat er immer wieder angesetzt, um uns was zu erzählen.

Ballarat, CA
Ballarat, CA
Ballarat, CA
Ballarat, CA
Ballarat, CA

Es ist noch früh am Morgen, aber es ist schon extrem heiß. Es macht auch nicht so richtig Spaß, aus dem Auto zu steigen, die Sonne brennt auf meinen dicken Kopf, mein Schnupfen und die Ohrenschmerzen halten sich, vor allem merke ich es bei Höhenunterschieden. Das nervt etwas.

Ich versuche das aber weitestgehend zu ignorieren und die Reise zu genießen.
Nachdem wir Ballarat hinter uns gelassen haben, kommen wir an die Grenze zum Death Valley, natürlich machen wir ein Schild-Foto.

Death Valley Nationalpark
Death Valley Nationalpark
Death Valley Nationalpark
Death Valley Nationalpark
Death Valley Nationalpark

Der Plan war ja, im Death Valley einen kleinen Hike zu machen und zwar zu den Darwin Falls, die angeblich immer Wasser haben sollen. Das sehen wir uns doch mal an. Nach dem Abbiegen auf den Highway 190 finden wir auch schnell die Dirtroad, die zu den Falls führt. Wir fahren ca. 3 km auf der Straße bis zum Parkplatz.

Der Trail zu den Falls ist ca. 3,2km lang. Eigentlich ja keine Strecke, aber mit Schnupfen in der prallen Sonne und mit der Ungewissheit, wirklich einen Wasserfall vorzufinden, entschieden wir uns, hier am Parkplatz nur ein Picknick zu machen und das Hiken zu verschieben.

Wir fahren zurück auf die 190, dann zum Visitor Center, wo wir uns einen Nationalparkpass kaufen. Dort sind es 109°F, das sind 42,5°C. Und es ist erst 11 Uhr in der Früh. Wir erkundigen uns, ob es schattige Hikes gibt, aber selbst in den Slots fängt sich die Hitze, sagt die Rangerin, sie würde uns empfehlen, bis Sunset zu warten oder bis morgen früh. Ja, super die Zeit haben wir aber nicht, also genießen wir wohl das DV aus dem Auto raus.

Den Artist Drive hatten wir bisher bei den letzten zwei Besuchen des Death Valley immer ausgelassen, eine gute Gelegenheit, den heute mal zu fahren. Das Licht war nicht perfekt, aber ganz ok für ein paar Bilder. Nach 5 Minuten draußen wollten wir eh nur fix ins Auto zurück.
Hier im DV wimmelte es im Übrigen von Touris, hauptsächlich Deutsche und Franzosen. Wir grüßen ja immer jeden freundlich, aber bei den meisten kommt nichts zurück, dann weiß man, das sind Deutsche oder Franzosen. Was ich nicht ganz verstehen kann bei den Deutschen, denn die finden doch die Freundlichkeit der Amerikaner immer so toll, warum sind die dann selber nicht mal freundlich? Das wäre doch mal ein Anfang. Im Laufe der Reise treffen wir zum Glück noch ein paar sehr nette Leute aus der Heimat.

Anyway, wir behalten das bei, egal zu wem, wir sagen immer Hi oder Hello, das macht uns Spaß.

Nachdem wir den wunderschönen Artist Drive gefahren sind, überlegen wir, was wir denn tun könnten – doch zum Titus Canyon oder zum Zabriskie Point? Schwierig, wir fuhren einfach mal die Straße zum Titus Canyon. Ich hatte nicht mehr genau in Erinnerung, wie weit es vom Parkplatz in den Caynon war, also wollten wir mal gucken.

Die Straße zum Canyon, wenn man nur zum Parkplatz will, ist eine kurze, ca. 2 km lange Dirtroad. Man kann auch von der anderen Seite durch den Red Pass fahren, das hatten wir aber 2011 gemacht und wollten wir nicht nochmal. Dort findet man eine sehr lange heftige Dirtraod vor, die etliche Kilometer über einen Berg führt. Diese Straße ist zwar toll, aber wir waren dort ja schon 2011, da war es auch nicht ganz so warm.

Am Parkplatz angekommen, zeigt das Thermometer 45°C, war ja klar, dass es nicht kühler werden würde im Laufe des Nachmittages. Wir stiegen kurz raus zu den Toiletten. Das war ja kaum auszuhalten, Nein, das sind nicht meine Lieblingstemperaturen. Also fix wieder ins Auto. Keiner von uns hatte Lust, auch nur einen Schritt nach draußen zu machen. Also blieben wir eine Weile im kühlen Auto sitzen, tranken ein paar Liter Wasser und fuhren dann auf schnellstem Weg nach Beatty. Schnellster Weg bedeutete ca. 1,5 Stunden, wieder den Berg rauf, wo es sogar etwas kühler wurde.

Da wir ja das Hotel vorgebucht hatten, nutzten wir die Gelegenheit und checkten schon mal ein. Unser Zimmer war schon fertig. Also bringen wir mal unsere Sachen rein. Ach, wenn wir gerade da sind, machen wir doch eine kleine Mittagssiesta im kühlen Zimmer. Was für eine Wohltat.

Nach ca. 2 Stunden wagten wir uns wieder nach draußen. Ganz witzig, was wir da zu sehen bekamen, zwei Zimmer weiter saß ein Paar in seinem Zimmer, beide ca. 50 Jahre alt, beide nackt auf dem Bett.

Ok, das ist ja nicht so schlimm, aber die Gardinen hatten sie wirklich extra zurückgeschoben. Ich dachte erst, ich sehe nicht recht, aber doch, beide splitterfasernackt. Mir persönlich ist es ja egal, ich habe da kein Problem mit. Aber wundern tut es einen schon, vor allem hier in den USA, wo für manche ja schon in Unterwäsche zu sein nackt ist. Aber die Story geht noch weiter…

Wir hatten jetzt auf jeden Fall erst mal Hunger. Im Hotel gibt es einen Denny’s, eigentlich ja nicht übel, aber leider durfte man da drin rauchen und das geht für uns ja mal gar nicht.

Wir suchten uns im Ort was anderes und wurden fündig bei KC Outpost, da konnten wir im Schatten draußen sitzen, das Essen war auch ganz gut. Für M. gab es eine Art Pizza und für mich einen Salat mit Chicken.

Gut gesättigt setzten wir uns wieder ins Auto und machten uns auf den Weg nach Rhyolite, einer weiteren Ghosttown am Rande des Death Valley, dort wollten wir den Sunset erleben und in der Dunkelheit Bilder machen.

Als wir ankamen, lag der Ort schon im Schatten, aber die Sonne war noch nicht untergegangen. Blöde Lichtsituation. Also hieß es warten, bis es dunkler wurde.

Unser erstes Objekt war das Kunstwerk „The last Supper“, das fand ich schon 2011 so schön mit blauem Himmel, aber jetzt im Abendlicht gefällt es mir auch.

Es waren noch drei andere Autos hier, die sich aber nach Sunset schnell vom Acker machten, wir waren nun wieder alleine hier, es war dunkel und absolut still. Unheimlich, etwas unheimlicher noch als bei den Trona Pinnacles, weil hier ja noch Häuser bzw. Ruinen stehen, da spürt man sicher noch die Geister der Menschen, die hier mal gelebt haben.

Am liebsten hätten wir bei jedem Häuschen oder alten Auto Bilder gemacht, aber die Bilder im Dunkeln dauern immer sehr lange. Bis man erst mal rausgefunden hat, was gut ausschaut, sind schon mal 30 Minuten vergangen. Also legten wir unseren Focus auf 4 Objekte. Und probierten etwas rum.

Rhyolite, Nevada
Rhyolite, Nevada
Rhyolite, Nevada
Rhyolite, Nevada
Rhyolite, Nevada
Rhyolite, Nevada
Rhyolite, Nevada
Rhyolite, Nevada
Rhyolite, Nevada
Rhyolite, Nevada

Wir waren schon mal ganz zufrieden, man kann da sicher noch mehr Experimente machen, aber dazu benötigten wir mehr Zeit. Theoretisch hätten wir ja die ganze Nacht, aber irgendwann wurden wir auch müde, und anstrengend für die Augen ist das Fotografieren auch. Schluss war für uns gegen 22:00 Uhr, und wir fuhren zurück nach Beatty.

In der Nacht war der Ort noch trostloser als am Tag, nur das Stagecoach Hotel hatte eine Leuchtreklame, alles andere war schon dunkel.

Wir gingen also zurück zum Zimmer, und als wir bei unseren Nachbarn two doors down vorbeikamen, waren die Vorhänge zugezogen, aber ein hellblauer Damenslip lag im Fenster. Was hat das wohl zu bedeuten? Waren die auf der Suche nach Sexkontakten? Oder hatten die den da vergessen? Lustig in jedem Fall.

Wir spinnen uns noch ein paar Szenarien zu recht, was die beiden wohl damit bezwecken wollten. Wenn es ein attraktives Paar gewesen wäre, hätten wir wohl mal angeklopft. – Just kidding.

In der Nacht hörte ich Geräusche, ähnlich wie Kindergeschrei, entweder das war unsere Nachbarin beim Ausüben ihrer Sexualität oder es waren Katzen. Denn Kinder konnte ich weit und breit keine entdecken.

Wir erledigten am Abend noch unsere übliche Routine, Bilder einlesen, Akkus laden, Duschen, Mails checken. Dann noch etwas Kuscheln und gegen 00:00 Uhr gepennt.

Wetter: ca. 45°C am Morgen und Abend etwas kühler, keine Wolken
Sights: Death Valley, Rhyolite
Wanderungen: -
Restaurant: KC Outpost Beatty
Hotel: Stagecoach Hotel & Casino – $74,07 inkl Tax
Bewertung: mittel +-
Bemerkung: sehr einfaches Motel, aber sauber